Marokko II: Atlas
Im Grand Taxi fuhren wir zu unserem nächsten Stop im Atlasgebirge. Die Fahrt in diesen alten Mercedes-Karossen ist wirklich ein Erlebnis! Man kann sie zwar auch für sich alleine mieten, landestypischer fährt man jedoch zu siebt, weshalb sie auch Taxi Collectif genannt werden: 1 Fahrer, 2 Personen auf dem Beifahrersitz und 4 Personen auf der Rückbank. Die Fahrer haben Formel-1-Qualität und hupen jedes Lebewesen und Gefährt gnadenlos von den holprigen Serpentinenstraßen. Das Handy in der Hand und M. Jackson in den Ohren rasen sie um enge Kurven ohne Leitplanken, so dass man sich als Touri regelmäßig am Türgriff festkrallt, wenn man nicht ohnehin eingequetscht zwischen den 5 anderen Passagieren sitzt. Diese Unannehmlichkeiten werden jedoch auf angenehme Weise kompensiert: Man bekommt wahlweise vom Fahrer Parfüm angeboten, nach dem er sich selbst während der Fahrt etwas frisch gemacht hat, der Fahrer wirft einem nach einer kleinen Pause in einem Dorf Wasserflaschen auf die Rückbank oder er hält an Parkplätzen mit guter Aussicht und rät einem, hier und dort Fotos zu machen. Sehr spassig das Ganze! Natürlich muss man immer vor der Fahrt hart verhandeln, um nicht völlig überzogene Touristenpreise zu zahlen.
Landschaftlich die Gegend sehr reizvoll, man fährt durch öde Gebirgslandschaft, fruchtbare Flusstäler und vorbei an rotem Sandstein und urigen Berberdörfern. Die Temperaturen sind deutlich angenehmer als in Marrakesch und insgesamt waren wir sehr überrascht, wie grün die Landschaft ist. Die beste Reisezeit ist aber wohl Frühling, denn dann führen die Flüsse viel Wasser und das Klima ist zum Wandern noch optimaler. Apropos Wandern: Wir waren nicht darauf vorbereitet, dass es im Hohen Atlas augenscheinlich grossartige Trekkingmöglichkeiten gibt! So kann man von Imlil (1700m) aus eine dreitägige Tour zum höchsten Berg Nordafrikas unternehmen, dem Djebel Toubkal (4100m). Leider hatten wir weder Wanderschuhe dabei noch genügend Zeit eingeplant, um diese Besteigung selbst zu machen und so mussten wir uns mit der näheren Umgebung begnügen, die aber auch schon grandiose Ausblicke und Hochgebirgsfeeling bietet. Sollten wir noch einmal nach Marokko reisen, dann steht eine ausgiebige Wanderung also definitiv auf dem Reiseplan!
Spaßig war auch unsere Wanderung zum ersten der sieben Wasserfälle im Ourika Tal. Dieses Gebiet ist besonders bei den Städtern aus Marrakesch beliebt. In Scharen kommen sie am Wochenende hierher um der Hitze zu entfliehen. Man entspannt direkt im und am Fluss, der zu dieser Jahreszeit aber eher ein kleines Bächlein ist. Es gibt unzählige, mit einfachsten Mitteln gestaltete und daher sehr originelle kleine Saftbars, Cafés und Grillrestaurants, die sich am Fluss und auf dem gesamten Weg zum Wasserfall angesiedelt haben. Man findet hier zwar viele Menschen, aber kaum ausländische Touristen, sondern wie gesagt viele Marrakeschianer, die mit der ganzen Familie einen Tagesausflug machen. Es war schon witzig zu beobachten, wie sie in Flipflops, langen Gewändern und beladen mit Handtüchern, Picknick und Beachballschlägern lauthals den teilweise sehr felsigen und steilen Weg hochkraxelten, um dann oben angekommen festzustellen, dass man am Wasserfall kaum einen Sitzplatz finden konnte, geschweige denn Platz zum Beachballspielen.
Neben all diesen schönen Erlebnissen hatten wir aber auch zweimal Pech während unseres Aufenthaltes in den Bergen. Zum einen erwischte uns – wie hätte es anders sein können – ein Magendarminfekt, obwohl wir sehr vorsichtig waren mit frischem Obst und Gemüse. Außerdem fiel uns, wir waren gerade im Hotel abgestiegen, siedend heiß ein, dass wir nicht mehr genügend Bargeld hatten. Also mussten wir uns notgedrungen zum nächsten Ort mit Bankautomat aufmachen, der auf halber Strecke nach Marrakesch liegt, also dort, wo wir gerade herkamen. Und als sei diese Herumfahrerei im Taxi nicht schon ärgerlich genug waren alle drei Geldautomaten vor Ort außer Betrieb, weshalb wir letzten Endes auch früher nach Marrakesch zurückkehren mussten, um von dort aufzubrechen in Richtung Südosten … doch dazu bald mehr!









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